Debattendeutsch

„Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf. Wer schludert, der sei verlacht, für und für. Wer aus Zeitungswörtern und Versammlungssätzen seines dahinlabert, der sei ausgewischt, immerdar.“ (Kurt Tucholsky)

Fachsprache ist immer dort sinnvoll, wo sie eine effiziente Kommunikation zwischen Experten ermöglicht. In politischen Diskussionsrunden bekommt man häufig das Gefühl, die Teilnehmer hätten eine eigene Sprache entwickelt. Deren einziges Ziel scheint zu wiederum sein, dass niemand die konkrete Aussage nachvollziehen oder– noch schlimmer – irgendwelche Handlungen daran messen kann. Wenn sich also ein Diskutant nicht festlegen möchte, verwendet er möglichst schwammige und abstrakte Substantive: Thema, Diskussion, Problem, Frage, Bereich, Komplex, Rahmenbedingungen. Um den Satz völlig einer Aussage zu entkleiden, wird ein nichtssagendes Prädikat ergänzt: es geht um, wir müssen … voranbringen. Schwierig wird es, wenn bereits die Frage maximal unkonkret ist. Vor einigen Jahren fragte mich ein Journalist, was „die Lösung für das Urheberrechtsproblem sei“. Da ich nicht verstanden habe, worauf er genau hinauswollte, habe ich auf zahlreiche Einzelaspekte hingewiesen und gegengefragt, was er konkret wissen wolle. Für ihn wohl ein Zeichen von Inkompetenz und, dass ich des Debattendeutschen nicht mächtig bin. Immerhin konnte ich aus seinem Artikel im Nachhinein erahnen, dass er wohl mehr über Maßnahmen gegen digitale Urheberrechtsverletzungen wissen wollte. Hätte er das benannt, hätte er auch (m)eine Antwort bekommen können. Unklar, ob das erwünscht war – machmal ist Unverständlichkeit ja Programm.