Werner Heisenberg – Physik und Philosophie

„Nur scheinbar hat ein Ding Farbe, nur scheinbar ist es süß oder bitter. In Wirklichkeit gibt es nur die Atome und den leeren Raum.“ (Demokrit)

Für mich wichtigste Lektion des Buchs: Atome sind auch nur Menschen. Nach jeder Interaktion fallen sie in den energieärmsten Zustand zurück. Im Übrigen ist allerdings wesentlicher Gegenstand die Sprache der Physik. Das ist wegen der notwendigen Präzision in der Regel die Mathematik. Heisenberg bemüht sich allerdings um Allgemeinverständlichkeit und verzichtet vollständig auf Formeln und Diagramme. Dass die vorangestellte Biographie das nicht schafft, verwundert, gibt aber gleich Gelegenheit, der Aufforderung von Heisenberg nachzukommen, bei Bedarf zu überblättern. So erfahre ich also nichts von seiner späteren Karriere als Meth-Koch. Trotz des Bemühens um Verständlichkeit schafft es Heisenberg (anders als beispielsweise Richard Feynman) nicht, Physik so zu erklären, dass im Kopf Bilder erzeugt werden. Er bleibt trotzdem ein Sprachfuchs! Wenn er postuliert, dass die kleinsten Bausteine die Elementarteilchen sind (worin er später widerlegt wird – Quarks!), bleibt er doch im Recht, indem er ergänzt, dass anderenfalls deren Teile eben die Elementarteilchen sind. Gerade seine Überholung verdeutlicht die Feststellung von Heisenberg, dass objektive Wahrheit unmöglich ist, weil der Wissenshorizont von der aktuellen Kenntnis als Beobachtungsstandort abhängt. Das gibt Gewissheit, dass wir auch über fünfzig Jahre später noch viel zu engstirnig denken und weitere Quantensprünge bevorstehen.

Nächstes Buch: Robert & Edward Skidelsky – Wie viel ist genug?

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